In der vergangenen Ausgabe habe ich Sie dazu angeregt, Ihre mentalen Telemetriedaten auf und nach Ihren Golfrunden in einem Mental-Tagebuch zu notieren. Wenn Sie nun also fleißig Telemetrie-Daten gesammelt haben, dann geht es heute darum, wie Sie diese auswerten und in konstruktive Trainings- und Verhaltensmaßnahmen umsetzen.
In der vergangenen Ausgabe habe ich Sie dazu angeregt, Ihre mentalen Telemetriedaten auf und nach Ihren Golfrunden in einem Mental-Tagebuch zu notieren. Zur Erinnerung: Dabei ging es um ein kleines Notizbüchlein (notfalls auch einfach ein Blatt Papier), in dem Sie Ihre Erlebnisse auf dem Platz in den Kategorien Ergebnisse, äußere Umstände, innere Werte und Kommentare vermerken.
Haben Sie Ihre Hausaufgaben gemacht? Dann haben Sie gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe erschlagen: Zum einen haben Sie dann immer wieder in sich hineingehorcht, denn sonst hätten Sie den Befindlichkeits-Check gar nicht durchführen, Ihr Mental-Barometer gar nicht ablesen können. Durch dieses In-sich-Hineinhorchen lernen Sie Ihre mentalen „Laufleistungen“ immer besser kennen und bauen zudem ein Einfühlungsvermögen auf, das Sie für das mentale Training unbedingt benötigen.
Zum anderen haben Sie immer, wenn Sie sich mit Ihren Checks und Eintragungen beschäftigt haben, automatisch die Position des Beobachters eingenommen. Welchen Vorteil bringt das mit sich? Nun, neutrale Beobachter fiebern in der Regel nicht so stark mit wie die beteiligten Protagonisten selbst, schließlich sind sie ja selbst nicht betroffen. Sobald Sie sich also neben sich selbst stellen und sich selbst zuschauen, sind Sie im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr so stark betroffen von allem, was da möglicherweise gerade gar nicht so gut läuft.
In der Psychologie nennt man diesen Zustand einen dissoziierten – in Abgrenzung zu einem assoziierten Zustand, wenn Sie ganz bei und in sich selbst sind, alle Emotionen vollspüren und Ihr Kopf und letztendlich auch Ihr Körper entsprechend stark auf die jeweiligen (inneren und äußeren) Umstände reagieren. Merke: Positive Erlebnisse sollten Sie möglichst assoziiert verarbeiten, negative eher dissoziiert, um sie nicht ganz so nah an sich heranzulassen. Aber das nur mal am Rande… Ich kann’s nur nicht oft genug erwähnen, weil es eine ebenso einfache wie effektive Mentaltechnik ist.
Wenn Sie nun also fleißig Telemetrie-Daten gesammelt haben, dann geht es heute darum, wie Sie diese auswerten und in konstruktive Trainings- und Verhaltensmaßnahmen umsetzen. Verzeihen Sie den etwas makaber anmutenden Vergleich, aber die Vorgehensweise ähnelt doch sehr der eines Profilers bei der Aufklärung einer Mordserie.
Ein Profiler sucht anhand von Indizien, die er am Tatort findet, nach übereinstimmenden Mustern. Mit Hilfe solcher Übereinstimmungen zwischen den Fällen kann er Rückschlüsse auf mögliche Tätergruppen ziehen und so den Kreis der Verdächtigen immer weiter eingrenzen. Und genau so gehen Sie auch vor.
Zunächst einmal teilen Sie die dokumentierten Golfrunden in erfolgreiche und weniger erfolgreiche ein. Nun gehen Sie hin und schauen, wie sich die erfolgreichen Runden untereinander hinsichtlich der übrigen Ergebnisse (Score, Fairways/Greens in Regulation, Putt-Anzahl, gelungene/misslungene Schlag-/Schlägervarianten etc.), der äußeren Umstände und der inneren Werte unterscheiden. Das Gleiche machen Sie mit den nicht erfolgreichen Runden.
Ich bin mir sicher, dass Sie dabei die eine oder andere Gesetzmäßigkeit entdecken. Formulieren Sie Ihre Entdeckungen nun am besten in ganzen Sätzen. Das könnte beispielsweise folgendermaßen aussehen: „Erfolgreiche Runden sind für mich Runden, bei denen ich unter 32 Putts geblieben bin. Manchmal bin ich aber auch mit 35 Putts zufrieden, wenn ich mit netten Flight-Partnern unterwegs war und insgesamt verhältnismäßig wenig Druck (Mental-Barometer unter 7) verspürt habe. Oft spiele ich meine erfolgreichen Runden eher nachmittags und dann, wenn ich nachher nichts mehr zu erledigen habe.“
Die Analyse von weniger erfolgreichen Runden könnte zu folgender Schlussfolgerung führen: „Auf schlechten Runden liegt meine Gesamtbefindlichkeit zu Beginn oft durchaus im positiven Bereich. Sie sinkt aber vor allem, wenn meine sicheren Schläger und Schläge nicht klappen. Schlecht spiele ich auch oft, wenn ich gegen schwächere Gegner spiele. Manchmal gelingt es mir, aus einem Tief wieder rauszukommen – meistens dann, wenn ich meine Ziele schon aufgegeben habe und nur noch locker zu Ende spielen möchte. Dann kann meine Befindlichkeit wortwörtlich „mit einem Schlag“ vom negativen in den positiven Bereich springen.“
Gerade die Situationen, in denen es Ihnen gelungen ist, sich aus einem mentalen Tief selbst wieder zu befreien, sind in der Analyse enorm wichtig. Schauen Sie sich an und erinnern Sie sich, was Sie in diesen kritischen Situationen gemacht oder gedacht haben. Im Grunde genommen, sind diese Interventionen dann nichts anderes als auf Sie gefittete Mentaltechniken!
Übergehen Sie in Ihrer Analyse bloß nicht die erfolgreichen Runden! Diesen Fehler machen viele Golfer – frei nach dem Motto „Was gut war, brauche ich ja nicht mehr zu ändern.“ Darum geht’s auch nicht! Vielmehr sollen Sie ja aus diesen Situationsmustern lernen: Welche Randbedingungen einer erfolgreichen Golfrunde kann ich selbst sicherstellen? Und welche nicht?
Nehmen Sie sich zunächst die auf den ersten Blick nicht beeinflussbaren äußeren Umstände vor. Sie spielen in der Regel nachmittags besser? Nun, Ihre Startzeiten können Sie sich insbesondere bei Turnieren nicht aussuchen. Aber schauen Sie doch mal eine Analyse-Ebene tiefer: Warum spielen Sie nachmittags besser?
Eine Bitte: Schreiben Sie mir (golfmental@properformance.de), was Ihnen bei Ihrer Analyse aufgefallen ist! In der nächsten Ausgabe möchte ich gerne auf Ihre individuellen Erkenntnisse eingehen und Ihnen Vorschläge unterbreiten, was Sie mit einfachen Mitteln verändern können.
Bis dahin wünsche ich Ihnen viele hilfreiche Erkenntnisse bei der Auswertung Ihres Mental-Tagebuchs!
PS: Unter dem Motto „Auf dem Weg zur Spitze“ biete ich seit diesem Jahr so genannte „Basis-Camps“ an. Dort können Sie an einem Wochenende in wichtigsten Grundtechniken des mentalen Trainings kennen und anwenden lernen. Freie Plätze gibt es noch im Camp am 3. und 4. September in Oberursel- Oberstedten.
Nähere Informationen hierzu finden Sie auf meiner Website unter
www.properformance.de/angebot/basis-camp-mentales-training