In dieser Ausgabe beantworte ich mal wieder einige Leserfragen, die mich im Laufe der letzten Wochen und Monate erreicht haben: Wie bekomme ich beim Putten mein Längengefühl zurück? Kann Hypnose meiner Golfer-Psyche helfen? Ist Musikhören beim Bälleschlägen sinnvoll oder eher schädlich?
Seit der letzten Fairways-Ausgabe haben mich wieder zahlreiche Zuschriften erreicht. Grund genug, ein paar der Fragen, die auf diese Weise auf meinem Schreibtisch gelandet sind, an dieser Stelle zu beantworten. Gleichzeitig möchte ich Sie animieren, mir auch weiterhin Ihre Fragen an fairways@golfmental.info zu mailen – ich werde Ihre Themen dann in regelmäßigen Abständen im Heft behandeln.
Ich sehe bei uns auf der Driving Range ab und zu Golfer, die beim Bälleschlagen Kopfhörer tragen und ganz offensichtlich Musik hören. Ist das denn hilfreich?
Generell ist Musik ein probates Mittel, um sich in einen positiven Gefühlszustand zu bringen: Sind Sie gehetzt oder genervt, bringt sie langsame, sphärische Instrumentalmusik vielleicht wieder runter. Sind sie müde oder antriebslos, kann schnelle, rockige Musik möglicherweise das Feuer in Ihnen wieder entfachen. Finden Sie Ihren inneren Rhythmus nicht, können Ihnen perkussionsgetriebene, rhythmische Stücke erfolgreich bei der Suche helfen. Ich kenne sogar Sportler, die sich mit Heavy-Metal-Klängen in einen angriffslustigen Wettkampfmodus versetzen.
ABER: Ich persönlich bin der Ansicht, dass Musik beim Bälleschlagen selbst nichts verloren hat, denn es stört ganz klar den Schlagrhythmus. Interessanterweise ist mir auch noch kein Profigolfer untergekommen, der sich auf der Range musikalisch füttern lässt, und das wird seine Gründe haben. Ich rate Ihnen stattdessen: Hören Sie vor der Abfahrt zum Golfplatz in sich hinein und entscheiden Sie dann, welche Musik Sie auf der Fahrt zum Golfclub in die richtige mentale Lage und Stimmung zu versetzen mag. Oder ziehen Sie sich direkt vor dem Aufteen nochmal zehn Minuten zurück und lassen Sie sich berieseln.
Es könnte natürlich auch sein, dass Ihre Range-Nachbarn gar keiner Musik, sondern vielmehr einem Metronom gelauscht haben! Auch ich arbeite gerne mit einem solchen Taktgeber, um meine Klienten im optimalen Schwung- und Schlagrhythmus zu halten. Probieren Sie es doch mal aus: Finden Sie mit Hilfe eines Metronoms Ihr optimales Schwung-Tempo und speichern Sie es in Ihrem Gedächtnis ab. Digitale Geräte mit Kopfhörerausgang gibt es bereits für rund 30 Euro.
Nach zwei Trainerstunden Putting habe ich das Gefühl, ich achte neuerdings viel zu sehr auf meine Putt-Technik und habe dadurch das Gefühl für die Länge von Putts total verloren. Wie bekomme ich das am schnellsten wieder?
Vorweg: Bleiben Sie ganz ruhig – das ist überhaupt nicht schlimm, sondern völlig normal. Wenn Sie sich einige Zeit auf technische Aspekte fokussiert haben, können das Gefühl und die Vorstellungskraft, die ja gerade beim feinmotorischen Putten sehr wichtig sind, schon mal kurzzeitig auf der Strecke bleiben.
Um Ihrem Gehirn nahezulegen, sich wieder mehr auf das kinästhetische denn auf die kognitiven Aspekte des Puttens zu konzentrieren und dafür dann eher in Sie hineinzuhören, sollten Sie Ihren wichtigsten nach außen gerichteten Sinneskanal blockieren: das Sehen. Stecken Sie ein Tee in den Boden und putten Sie mit verbundenen Augen auf dieses Ziel. Zielen Sie nicht auf ein Loch, denn wenn Sie es treffen, werden Sie nie erfahren, wie weit Ihr Ball ansonsten über das Ziel hinaus gerollt wäre! Die visuelle Längenkontrolle nach den Schlägen ist jedoch ein wichtiges Feedback, damit sie Ihr Putt-Gefühl wieder auf Länge kalibrieren können.
Eine andere Übung lautet: Legen Sie sich fünf Bälle in einer Reihe vor sich hin und putten Sie sie in Richtung Loch, wobei Ihre Aufmerksamkeit einzig und allein auf dem Loch – Ihrem Ziel – haftet. Automatisch wird Ihr Gehirn sich Wege überlegen, wie er Ihren Willen am besten in die Tat umsetzt. Und dabei spielt eben auch Ihr intuitives Längengefühl eine wichtige Rolle. Diese Übung sollten Sie am besten abwechselnd zu Ihrem Techniktraining absolvieren (fünf Bälle mit Aufmerksamkeit auf dem Ziel, fünf Bälle mit voller Konzentration auf die Technik), so können Sie Längengefühl und Technik sukzessive miteinander verankern.
Ein Bekannter erzählte mir neulich, er hätte ein mentales Problem mittels Hypnose überwunden. Kann ich das auch für meine Golfer-Psyche einsetzen?
Das hängt stark davon ab, was Sie sich davon erwarten. Hypnose und hypnoseähnliche Zustände sind in der Tat oft sehr hilfreich, wenn es darum geht, positive Gefühlszustände, Verhaltensstrategien oder Überzeugungen tief im Unterbewusstsein zu verankern, ohne dass unser kognitives Bewusstsein diese Bemühungen konterkariert.
Doch auch hier ein dickes Aber: Ich bin schon öfters von Golfern gebeten worden, ihnen mittels Hypnose über ihre mentalen Hürden hinwegzuhelfen. Bei genauem Hinschauen und Hinhören bemerkte ich jedoch oftmals recht schnell, dass diese Damen und Herren Hypnose als eine Methode betrachteten, ihr Ziel zu erreichen, ohne selbst viel dafür arbeiten zu müssen. „Erfolgreich im Schlaf“ sozusagen, und es gibt genügend Scharlatane unter uns Mentalcoaches, die genau dies propagieren.
Um Zeit und Trainingsschweiß zu sparen, ist die Hypnose also sicherlich nicht gedacht. Mentaltraining ist auch ein Training, und „to train“ heißt nun einmal „üben“. Wer jedoch seinen Mentaltrainingserfolg über eine zusätzliche direkte Kommunikation mit seinem Un(ter)bewusstsein maximieren möchte, der darf sich durchaus auf die Suche nach einem kompetenten (!) Hypnose-Coach begeben.
Viel häufiger als mit einer wirklich tiefen Hypnose arbeite ich jedoch mit Trance-Zuständen. Auch wenn wir in einer Trance vielleicht nicht ganz so tief in unser Unbewusstes abtauchen, so hat sie dennoch auch einige Vorteile gegenüber der Hypnose aufzuweisen: Trance-Induktionen können Sie relativ leicht erlernen und anschließend auch ohne professionelle Anleitung selbständig durchführen. Im Grunde genommen, können Sie sogar auf dem Golfplatz oder der Driving Range in Trance gehen und dennoch „nebenher funktionieren“.
In einen Trance-Zustand können Sie beispielsweise auch durch Autogenes Training gelangen. Entsprechende Übungs-CDs helfen Ihnen sicherlich, die für Sie passenden Trance-Induktionen zu entwickeln. Oder schauen Sie einfach bei mir oder einem meiner Trainer-Kollegen vorbei, um diese höchst effiziente Mentaltechnik kennen und anwenden zu lernen.
In diesem Sinne: Tagträumen Sie gut, und denken Sie dran: „Mit jedem Schlag wird mein Golfspiel besser und besser…!“
PS: Im Juni und September biete ich wieder zweitägige Einführungsseminare in das mentale Training an. Diese offenen Workshops bieten eine ideale Gelegenheit, sich nützliche Grundtechniken des mentalen Trainings durch Demonstration und Ausprobieren anzueignen. Nähere Informationen hierzu finden Sie auf meiner Website unter www.properformance.de.